Das Unbekannte

Ich bin die Kraft des Unbekannten. Ich weiß, dass ich nichts weiß. Das ist für mich der Ausgangspunkt jeder neuen Erkenntnis. Im großen Mysterium des Lebens kehre ich immer wieder zurück zu dem Ausgangspunkt meiner Frage. Meine Frage ist mein Fokus. Verbunden mit einer Frage öffnet sich das Leben neu und anders, als wenn ich ohne Frage wäre. Ich kann fragen, weil ich weiß, dass die Frage die Plazenta ist für jede Antwort. Mit meiner Frage ziehe ich aus der unendlichen Fülle des Lebens diejenigen Antworten an, die ich brauche, um meine Gaben zum Wohle aller zu entfalten. Ich weiß, dass es auf jede Frage eine Antwort gibt und auf jede Antwort eine Frage. Ich gebe mich nicht vorschnell zufrieden. Ich verweile nicht dogmatisch in meinen Erkenntnissen, wenn es längst Neues zu entdecken gibt. Ich habe keine Angst vor dem Unbekannten, denn ich weiß, dass ich in meinem Wesen selbst das Unbekannte bin. Ich kehre wieder und wieder zurück zu der großen Leere, so dass die Kraft der Neuschöpfung in mich eintreten kann. Wenn ich etwas erkannt habe, so bleibe ich immer offen für die Frage: „Ist das so?“ Jede Erfindung beginnt im großen Atelier des Unbekannten. Tritt mit mir zusammen ein in das große Staunen darüber, dass überhaupt etwas ist. Wenn du das tust, ist ein Baum nicht einfach ein Baum, eine Blume eine Blume. Es sind Bezeichnungen für ein unendliches Geheimnis im Universum. Willst du es berühren, oder hältst du es verschlossen? Von dort öffnen sich Tür und Pforte in das große Wunder des Universums, das große Wunder des Lebens. Alle Definitionen, Formeln, Beschreibungen sind Versuche, etwas zu erfassen, was doch im Wesenskern nicht zu erfassen ist. ES ist wieder und wieder neu. Wer diesen Weg der Erkenntnis mit mir zusammen geht, wird nie überheblich, wird nie dogmatisch oder arrogant. Bescheidenheit ist die Kraft einer großen Macht, der Macht des Lebens, die sich immer und in jedem Augenblick vor dem Wunder der großen Schöpfung verbeugt. Schicke staunen voraus, Respekt, Ehrfurcht und berühre erst dann. Komm tritt ein mit mir in das große Wunder des Erkennens. Alle großen Erkenntnisse haben in mir ihren Ursprung. Hüte dich davor, dein Wissen auf den Fundamenten der Illusion aufzubauen. Sage nicht, dass du weißt, wo du nicht weißt. Und sage nicht, dass du nicht weißt, wo du weißt. Hüte dich vor der falschen Unschuld, nicht zu wissen, wo du wissen kannst. Jede wahre Erkenntnis kommt aus der Bereitschaft zu Ende zu fragen und immer wieder neu an das Ufer der Neugierde und des großen Wissen-wollens zu gehen. Komm, tritt ein, mit mir zusammen in die große Schule des Lebens. Was gestern noch galt, ist morgen schon alt, gilt schon heut‘ oder morgen nicht mehr. Frage, frage. Plappere nicht nach, was man dich gelehrt hat, ohne wirklich wissen zu wollen. Jeder gute Lehrer will, dass seine Schüler selbst erkennen und wissen wollen. Er will, dass sie ihm irgendwann etwas zeigen können, was er selbst nicht gesehen hat. Das Leben selbst ist die große Lehrmeisterin für jeden von uns. Das große Inconnu, Ausgangspunkt und Quelle für alles Seiende. Ich bin das große Unbekannte, ich bin die Mutter jeder wahren Weisheit. Ya Azim (Meditationstext zur archetypischen Kraft des Unbekannten, von Sabine Lichtenfels empfangen und verfasst) Hier könnt Ihr den Text zum Unbekannten – Stein  als Audioaufnahme anhören: http://sabine-lichtenfels.com/wp-content/uploads/2018/04/DasUnbekannte.mp3